Eröffnungssymposium am Berlin Center for Advanced Therapies (BeCAT)
v.l: Prof. Ulrich Kintscher, Prof. Annette Künkele-Langer und Prof. Lars Bullinger beim BeCAT-Symposium in Berlin. Foto: Arne Sattler
BeCAT: Neue Gen- und Zelltherapien für klinische Studien entwickeln
Arzneimittel für neuartige Therapien (Advanced Therapy Medicinal Products, ATMPs) sind das Herzstück gen- und zellbasierter Therapien und spielen insbesondere in der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen eine immer wichtigere Rolle. Sie basieren auf Zellen und Geweben, die in der Regel erkrankten Patient:innen entnommen, außerhalb des Körpers vermehrt und in den meisten Fällen genetisch modifiziert werden. Im Anschluss werden sie den Patient:innen zurückgegeben und mit dem Ziel, Krebszellen besser zu bekämpfen und die Immunabwehr zu aktivieren.
BeCAT-Eröffnung ist wichtiger Meilenstein
Die Keynotes, Vorträge und Diskussionen des Symposiums machen Dynamik und Komplexität des Forschungsfelds sichtbar, geben einen Einblick in die Studienlage, zeigen die Generationen entwickelter und die Vielzahl neuer Produkte und vermitteln einen Überblick über die regulatorischen Rahmenbedingungen. Deutlich wird: Neben wissenschaftlicher Exzellenz bedarf es vielfältiger Netzwerke, strategischer Partnerschaften und Strukturen, um das riesige Potential von ATMPs weiterzuentwickeln und für Patient:innen zugänglich zu machen.
Die Eröffnung des BeCAT mit seiner hochmodernen, modularen Reinraumlaboreinheit liefert solch eine zentrale wissenschaftliche und technologische Infrastruktur und markiert deshalb einen wichtigen Meilenstein für die Weiterentwicklung gen- und zellbasierter Therapien: „Es bleibt harte Arbeit und wir fangen gerade erst an. Aber in fünf Jahren möchte ich ein Symposium im BeCAT eröffnen, bei dem viele erfolgreich behandelte Patientinnen und Patienten neben mir stehen und von der lebensverändernden Wirkung von ATMPs berichten können“, kündigt BeCAT-Leiterin Prof. Annette Künkele-Langer, geschäftsführende Direktorin des NCT Berlin, in ihrer Eröffnungs-Keynote an.
Damit dies gelingt, soll die zentrale Struktur und die gebündelte Expertise des BeCAT auch helfen, die Überführung von Ergebnissen der Grundlagenforschung hin zur klinischen Anwendung zu verkürzen und innovative Therapien schneller zu den Patient:innen zu bringen.
Neue Therapieansätze für frühe klinische Studien im NCT
Das BeCAT als Ort gelebter Netzwerke und Kooperationen ist auch für das NCT von zentraler Bedeutung, wie Prof. Lars Bullinger in seiner Anmoderation des NCT Panels betont. Wissenschaftler:innen aller drei Trägerinstitutionen des NCT Berlin - der Charité – Universitätsmedizin, des Berlin Institute of Health at Charité (BIH) und des Max Delbrück Center (MDC) forschen hier, entwickeln Arzneimittel für frühe klinische Studien und stellen sie her. Im NCT Panel gaben Prof. Antonia Busse (NCT Standort Berlin, Charité – Universitätsmedizin), Prof. Michael Hudecek (NCT Standort WERA, Universitätsklinikum Würzburg) und Prof. Christoph Scheid (NCT West, Uniklinik Köln) einen Einblick in ihre Forschungsschwerpunkte und die Anwendung von ATMPs.
Die vom NCT geförderte ToMA4TA1-Studie wird vom NCT Berlin koordiniert; beteiligt sind alle sechs NCT Standorte. Der Beginn der klinischen Prüfung ist für 2027 geplant. Untersucht werden die Sicherheit, die geeignete Dosierung und erste Hinweise auf die Wirksamkeit der neuen TCR-T-Zelltherapie.
Dabei wird deutlich: Wichtige Forschungsfelder und Studienkonzepte des NCT sind eng mit zentralen Zukunftsfragen von ATMPs verbunden. So wird in der vom NCT geförderten und von Antonia Busse geleiteten ToMA4TA1-Studie ab 2027 eine neu entwickelte TCR-T-Zelltherapie bei Patient:innen mit fortgeschrittenen, soliden Tumoren erstmals klinisch geprüft. Klassische CAR-T-Zelltherapien, die bei Blut- und Lymphdrüsenkrebs zum Einsatz kommen und bereits große Erfolge zeigen, sind bei soliden Tumoren bislang deutlich weniger wirksam. Die Weiterentwicklung von ATMPs bietet somit die Chance, Patient:innen mit bisher schlechten Behandlungsmöglichkeiten neue Perspektiven zu eröffnen.