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Krebsforschung einfach erklärt
 

  • Krebsforschung hat zum Ziel, Krebs besser zu verstehen und zu bekämpfen. Forschende untersuchen, wie Tumoren entstehen, wie man sie früh erkennt und wie Therapien gezielter wirken können.
  • Vom Laborexperiment bis zur klinischen Studie arbeiten viele Fachleute zusammen. In mehreren Phasen wird neues Wissen Schritt für Schritt in wirksame Behandlungen und Diagnostik übersetzt.
  • Sicherheit, Ethik und Qualität stehen dabei immer im Mittelpunkt. Jede Studie wird streng geprüft und neue Therapien kommen erst dann in die Anwendung, wenn es überzeugende Hinweise für ihre Wirksamkeit gibt.


Was ist Krebsforschung?


Die Krebsforschung beschäftigt sich mit allen Fragen rund um die Entstehung, Erkennung, Behandlung und Vorbeugung von Krebserkrankungen. 

Ziele der Krebsforschung: 

  • Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler versuchen zu verstehen, was genau im Körper passiert, wenn sich Zellen bösartig verändern, sich unkontrolliert teilen und Tumoren bilden.
  • Sie suchen nach den Ursachen dafür – zum Beispiel in den Genen, im Immunsystem oder in äußeren Einflüssen wie Lebensstil und Umweltfaktoren.
  • Gleichzeitig entwickeln und untersuchen Forscherinnen und Forscher neue Möglichkeiten, Krebs frühzeitig zu entdecken, besser zu behandeln und Nebenwirkungen zu verringern.
  • Auch die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten spielt dabei eine große Rolle.

Damit neue Erkenntnisse Schritt für Schritt zu besseren Therapien führen, arbeiten viele Fachrichtungen eng zusammen:

  • Grundlagenforschung: Hier geht es darum, die biologischen Grundlagen zu verstehen – also, was in Zellen passiert, wenn sie sich in Tumorzellen verwandeln. Diese Erkenntnisse sind die Basis für neue Diagnose- und Therapieformen.
  • Translationale Forschung: Sie überträgt die Ergebnisse der Grundlagenforschung in die Praxis – zum Beispiel, indem neue Medikamente oder Therapieverfahren erforscht werden.
  • Angewandte Forschung: Hier arbeiten Forschende mit wissenschaftlichen Methoden direkt an praktischen Lösungen, etwa an besseren Diagnosegeräten oder schonenderen Behandlungsmethoden.


Wie wird zu Krebs geforscht?


Krebsforschung ist Teamarbeit: Fachleute aus Medizin, Naturwissenschaften und Informatik sowie viele weitere arbeiten Hand in Hand. Sie erforschen Krebs aus unterschiedlichen Blickwinkeln – von den kleinsten Zellprozessen im Labor bis hin zu Studien mit Patientinnen und Patienten.
 

Labor- und vorklinische Forschung

Bevor neue Medikamente oder Therapien am Menschen getestet werden, müssen sie im Labor auf ihre Wirkung und Sicherheit geprüft werden.
Dazu nutzen Forschende:

  • Zellkulturen: Krebszellen werden "im Reagenzglas" untersucht. So können Wissenschaftler sehen, wie sie wachsen, reagieren und sich verändern.
  • Tiermodelle: Hier wird beispielsweise getestet, wie sich ein Wirkstoff im ganzen lebenden Organismus verhält – etwa bei Mäusen. Diese Untersuchungen liefern wichtige Hinweise auf mögliche Dosierungen, Wirkungen und Nebenwirkungen.

Auch Computermodelle werden immer wichtiger und können Tierversuche manchmal ersetzen.

Klinische Forschung

Wenn sich ein neuer Wirkstoff oder eine neue Methode im Labor bewährt hat, folgt der nächste Schritt: die klinische Studie.

Gut zu wissen
"Klinische" Studie bedeutet nicht unbedingt, dass die Studie an einer Klinik stattfindet. Gemeint sind Prüfungen am Menschen, im Gegensatz zu Laborstudien.

In klinischen Studien untersuchen Forschende, ob eine Behandlung beim Menschen sicher und wirksam ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden dabei eng von Ärztinnen und Ärzten betreut. Die klinische Prüfung eines Verfahrens oder Medikaments läuft in verschiedenen Phasen ab:

  • Phase I-Studie testet einen neuen Wirkstoff oder eine neue Therapie zum ersten Mal an einer kleinen Gruppe von Menschen. Ziel ist es, vor allem herauszufinden, ob die Behandlung sicher und gut verträglich ist.
  • Phase II-Studie – prüft, ob eine neue Therapie tatsächlich wirkt und wie neue Substanzen am besten dosiert werden sollten. Hier suchen Forschende nach einer Dosis, die ausreichend wirksam ist, aber möglichst wenige Nebenwirkungen verursacht. An solchen Studien nehmen meist 50 bis 200 Patientinnen und Patienten teil.
  • Phase III-Studie überprüft, wie wirksam ein neues Medikament oder eine neue Behandlung ist. Dabei wird die neue Therapie mit einer bisherigen Standardbehandlung (Kontrollgruppe) verglichen – Fachleute bezeichnen das als "kontrollierte Studie". Auch die Sicherheit wird erneut beurteilt. Solche Untersuchungen mit mehreren hundert Teilnehmenden sind notwendig, um die Zulassung eines neuen Arzneimittels zu erhalten.
  • Phase IV-Studie – untersucht ein bereits zugelassenes Medikament weiter, während es im Alltag angewendet wird. Ziel ist es, seltene Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu erkennen. Dabei werden viele unterschiedliche Patientinnen und Patienten einbezogen, um die Sicherheit der Behandlung unter realen Bedingungen zu überprüfen.

Alle Studien folgen strengen gesetzlichen und ethischen Vorgaben. Eine unabhängige Ethikkommission prüft, ob die Studie sicher und verantwortungsvoll ist.

Epidemiologische Forschung

Neben Laborforschung und klinischer Forschung spielt auch die Epidemiologie eine wichtige Rolle.
Dabei werden große Bevölkerungsgruppen über längere Zeit beobachtet. Ziel ist es, Antworten auf die folgenden Fragen zu finden:

  • Welche Lebensgewohnheiten, Umweltfaktoren oder beruflichen Risiken erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken?
  • Welche Faktoren schützen möglicherweise vor Krebs?

Solche Studien liefern wertvolle Hinweise auf Zusammenhänge, zum Beispiel zwischen Rauchen und Lungenkrebs oder Bewegung und geringerem Krebsrisiko.
Beweise für Ursachen liefert aber erst die Laborforschung.


Wo wird Krebsforschung betrieben?


In Deutschland forschen viele Einrichtungen gemeinsam – beteiligt sind Wissenschaft, Medizin und Industrie:

  • Universitäten und Kliniken
  • Forschungszentren wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg
  • Bundesinstitute wie das Robert Koch-Institut (RKI) mit seinem Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD), das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  • Pharma- und Medizintechnikindustrie, oft in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen


Wer finanziert die Krebsforschung?


Krebsforschung ist teuer – sie braucht moderne Labore, hochspezialisierte Geräte und viele engagierte Fachleute. Damit neue Erkenntnisse entstehen können, wird die Forschung aus verschiedenen Quellen finanziert.
 

Öffentliche Förderung

Ein großer Teil der Mittel kommt vom Staat.
Bund und Länder unterstützen Forschungsprojekte an Universitäten, Kliniken und Forschungszentren.
Zu den wichtigsten Geldgebern gehören:

  • das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
  • das Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
  • die Europäische Union (EU)

Für das Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) und das Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) erfolgt die Finanzierung im Rahmen einer institutionellen Förderung. Das bedeutet, dass die beteiligten Einrichtungen dauerhaft Geld von Bund und Ländern erhalten – nicht nur für einzelne Projekte, sondern langfristig.
 

Wissenschaftliche Organisationen und Stiftungen

Viele Projekte werden zusätzlich durch unabhängige Organisationen finanziert, darunter die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder die Stiftung Deutsche Krebshilfe. Darüber hinaus leisten private Stiftungen und Spenden einen wichtigen Beitrag.
 

Industrie und Auftragsforschung

Auch pharmazeutische Unternehmen und die Medizintechnikindustrie investieren in Forschung – besonders, wenn es um die Entwicklung neuer Medikamente oder Geräte geht.

Gerade in den letzten Phasen der Medikamentenentwicklung, kurz vor der Markteinführung, stammen die finanziellen Mittel oft von den Herstellern selbst.


Wie werden Patientensicherheit und ethische Standards gewährleistet?


Jede Studie zu Krebs – egal ob im Labor oder mit Freiwilligen – muss hohen ethischen und rechtlichen Anforderungen genügen. 

Deshalb gelten weltweit feste Regeln: Sie sollen sicherstellen, dass Studien verantwortungsvoll geplant, durchgeführt und ausgewertet werden.

Das betrifft sowohl die medizinische Sicherheit als auch die Würde und das Wohl der Teilnehmenden.
 

Die Rolle der Ethikkommission

Bevor eine klinische Studie starten darf, muss sie von einer unabhängigen Ethikkommission genehmigt werden.
Die Kommission prüft:

  • ob die Studie rechtlich zulässig ist,
  • ob mögliche Risiken für die Teilnehmenden vertretbar sind
  • und ob das Forschungsteam verantwortungsvoll handelt.

In jeder Region gibt es eine eigene Ethikkommission – meist an den medizinischen Fakultäten oder Ärztekammern. Darin sitzen Fachleute aus Medizin, Recht, Ethik und Sozialwissenschaften. Ohne ihre Zustimmung darf in Deutschland keine klinische Forschung am Menschen beginnen.
 

Gute klinische Praxis (GCP)

Die sogenannten "Good Clinical Practice" (GCP)-Richtlinien sind internationale Standards für den Umgang mit klinischen Studien. Sie schreiben genau vor, wie Studien geplant, dokumentiert und überwacht werden müssen.
Ziel ist, dass:

  • die Daten zuverlässig und vergleichbar sind,
  • die Studien transparent ablaufen
  • und die Sicherheit der Teilnehmenden jederzeit gewährleistet bleibt.
     

Die Helsinki-Deklaration

Die Helsinki-Deklaration ist das wichtigste internationale Regelwerk für medizinische Forschung am Menschen. 

Sie wurde 1964 von der World Medical Association (WMA) verabschiedet und seitdem regelmäßig aktualisiert.

Darin verpflichten sich Ärztinnen und Ärzte weltweit, das Wohl, die Sicherheit und die Würde der Studienteilnehmenden über alles zu stellen.


Nach der Studie: Was passiert mit den Ergebnissen?


Wenn eine Studie abgeschlossen ist, beginnt ein besonders wichtiger Schritt: die Auswertung und Veröffentlichung der Ergebnisse. Nur so können andere Fachleute die Erkenntnisse prüfen, nachvollziehen und weiterverwenden.
 

Vom Datensatz zur Erkenntnis

Alle während der Studie erhobenen Daten – etwa zu Wirksamkeit, Nebenwirkungen oder Lebensqualität – werden sorgfältig ausgewertet. Dabei achten Forschende darauf, dass die Ergebnisse statistisch belastbar sind und sich nicht zufällig ergeben haben.
 

Qualitätssicherung durch Fachleute

Bevor Forschende ihre wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichen können, durchlaufen sie ein sogenanntes Peer-Review-Verfahren: Andere, unabhängige Expertinnen und Experten prüfen, ob die Studie methodisch korrekt durchgeführt wurde und die Schlussfolgerungen nachvollziehbar sind. 

Erst danach erscheinen die Ergebnisse in Fachzeitschriften. So wird sichergestellt, dass nur hochwertige, überprüfte Informationen an die Öffentlichkeit gelangen.

Von der Forschung zur Zulassung

Wenn eine neue Therapie in mehreren Studien überzeugt hat, können die Hersteller eine Zulassung beantragen.

Für Krebsmedikamente ist in Europa die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zuständig. Sie bewertet die Studienergebnisse und entscheidet, ob ein Medikament für die Behandlung zugelassen wird.

Gut zu wissen
Nur wenn der Nutzen größer ist als das Risiko, darf ein neues Arzneimittel auf den Markt kommen.

Sicherheit auch nach der Zulassung

Auch nach der Markteinführung werden neue Medikamente weiter überwacht – das nennt man Pharmakovigilanz.

Dabei melden Ärztinnen und Ärzte, Personal in Apotheken oder auch Patientinnen und Patienten selbst mögliche Nebenwirkungen an die Arzneimittelbehörden.

So lassen sich seltene oder erst später auftretende Risiken erkennen.


Wie wird aus Forschungsergebnissen ein Behandlungsstandard?


Bis eine neue Therapie tatsächlich in der Krebsmedizin ankommt, ist es ein weiter Weg. Zwischen Labor, klinischer Studie und Krankenhaus oder Arztpraxis liegen viele Schritte – alle mit dem Ziel, die Behandlung sicher, wirksam und alltagstauglich zu machen.

Vom Labor zur Praxis

Nach erfolgreicher Prüfung in der klinischen Forschung wird ein neues Medikament oder Verfahren zugelassen. Das kann viele Jahre dauern. Erst dann kann sich die neue Behandlungsmethode als neuer medizinischer Standard etablieren. 

Gut zu wissen
Fachleute in Fachgesellschaften, Ärztinnen und Ärzte sowie Wissenschaftler bewerten die Daten kontinuierlich und gleichen sie mit den Erfahrungen aus der Praxis ab.


Leitlinien als Orientierung für Ärztinnen und Ärzte


Wissenschaftliche Leitlinien fassen den aktuellen Stand der klinischen Forschung zusammen. Sie zeigen, welche Diagnose- und Therapieverfahren sich in Studien bewährt haben.

Für Krebs werden diese Leitlinien in Deutschland unter anderem von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft und der Stiftung Deutsche Krebshilfe entwickelt.

Leitlinien helfen Ärztinnen und Ärzten dabei, Patientinnen und Patienten nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu behandeln.


Quellen


Dieser Text beruht auf Quellen und Informationen des Textes Wie wird Krebs erforscht? des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum.